Kastration bei Tieren – Warum eigentlich und wie genau?

Heute wird es wieder etwas nüchtern. Aber dennoch interessant. Denn wenn es um das Thema Kastration geht, vermischen sich häufig Gefühle, Fakten und Stammtischwissen zu einem Informationsbrei. Viele Menschen sind bei dem Thema Kastration für das Tier leider zu schnell bei der Sache, andere wiederrum können sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden und zögern den oftmals medizinisch notwendigen Eingriff zu lange heraus.

Definition Kastration:

Die Kastration bedeutet die vollständige Entfernung der Keimdrüsen. Das bedeutet beim männlichen Tier die Entfernung der Hoden, beim weiblichen Tier die Entfernung der Eierstöcke. Eine Sterilisation heißt dagegen lediglich ‚Durchtrennung (und teilweise Entfernung) der keimleitenden Wege’ -also der Eileiter oder der Samenleiter. Dies wird in der Tiermedizin aufgrund fehlender Indikation (Hormone würden weiter produziert) fast nie durchgeführt.

Bedeutung der Kastration für das Tier:

Nach einer Kastration verändern sich die Tiere, für die Besitzer oft mit positiven Folgen im Verhalten. Die Tiere werden unfruchtbar und das Sexualverhalten ist unterbunden.

  • Männliche Tiere zeigen kein Markierverhalten mehr,
  • die Agressivität und Dominanz wird reduziert,
  • Rüden laufen nicht mehr weg und interessieren sich nicht mehr für läufige Hündinnen.
  • Weibliche Tiere zeigen nach der Kastration keine Brunst (Läufigkeit, Hitze oder Rolligkeit) mehr.
  • Eine Gebärmutterentzündung (‚Pyometra’) ist ausgeschlossen und
  • die Gefahr von Tumoren des Gesäuges (Brustkrebs, Mamma-Karzinome) nimmt sehr deutlich ab.
  • Die Hündinnen werden ebenfalls nicht mehr scheinschwanger.

 

Indikation – Welche Gründe sprechen für eine Kastration

Beim Kater: unerwünschtes Verhalten, Geruch (Markieren, Raufereien, Verhinderung der Übertragung von beim Deckakt übertragenen Viruserkrankungen, etc.)

Beim Rüden: als unterstützende Maßnahme bei unerwünschtem Verhalten (Markieren, Dominanzaggression, Streunen), bei Prostataproblemen, Dammbrüchen (Perinealhernien) oder Hodentumoren (vor allem bei nicht abgestiegenen Hoden =Kryptorchismus)

Bei der Katze: zur Verhinderung der unkontrollierten Vermehrung (Tierschutz!), zur Gesundheitsprophylaxe, zur Verhinderung der Rolligkeit.

Bei der Hündin: zur Verhinderung der unkontrollierten Vermehrung, zur Gesundheitsprophylaxe (siehe unten), zur Verhinderung der Hitze.

Kastrierte Tiere haben statistisch gesichert eine etwa 1 Jahr längere Lebenserwartung als unkastrierte!

Die Folgen einer Kastration:

Durch die hormonelle Umstellung sinkt der so genannte „Grundumsatz“. Die Tiere benötigen weniger Energie, d.h. die Fütterung muss reduziert werden. Wenn dies konsequent durchgeführt wird, ist keine Zunahme des Gewichtes zu befürchten. Bei Hündinnen großer Rassen (Schäferhunde, Dobermänner und Boxer) kann es selten zu einer Urin-Inkontinenz (Harnträufeln) kommen, die aber mit Medikamenten in der Regel gut beeinflussbar ist. In Einzelfällen kann es zur Ausbildung eines etwas weicheren Fellbildes bei langhaarigen Rassen (z.B. Dackel) kommen (so genanntes „Babyfell“).

Operation:

Beim Kater: Beide Hoden werden über zwei kleine Schnitte entfernt, die Haut wird nicht zugenäht und verklebt von selbst.

Beim Rüden: Beide Hoden werden über einen kleinen Schnitt entfernt, die Haut wird zugenäht. Der Hodensack verbleibt und wird sich von alleine verkleinern.

Bei der Katze: Durch einen kleinen Bauchschnitt werden beide Eierstöcke und die Spitze der zwei Gebärmutterhörner entfernt.

Bei der Hündin: Durch einen Bauchschnitt werden beide Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt (=Totaloperation). Bei sehr jungen Hündinnen von unter zwei Jahren kann man die Gebärmutter belassen, denn sie wird sich aufgrund der fehlenden Hormone von alleine dann wieder zurückbilden. Aus medizinischer Sicht gibt es keinen Grund eine Hündin vor beabsichtigter Kastration ein- oder zweimal läufig werden zu lassen. Im Gegenteil: das Risiko von Tumoren im Gesäuge ist extrem niedrig, wenn man bereits VOR der ersten Läufigkeit, im Alter von etwa sieben bis neun Monaten kastriert.

Wenn Sie darüber hinaus noch weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an uns, Ihre Tierklinik im Kreis Recklinghausen!

 

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